Pleiten, Pech und Pannen oder die Sprachreise der 9er 

Klassenfahrten und Exkursionen

Traditionell stand für unsere beiden neunten Klassen eine Sprachreise an. Dieses Mal ging es vom 30.08.2026 bis zum 04.09.2026 mit unseren Lehrern Frau Trute, Frau Kühn-Lumm, Herrn Richter und Herrn Lumm nach England, genauer gesagt nach Worthing in Sussex. Wie wir erfuhren, sollen die Einwohner von Sussex angeblich nicht besonders viel mit den restlichen Engländern zu tun haben (wollen) – quasi wie Bayern und Franken, nur mit mehr Meer und einem sehr starken britisch-englischen Akzent. 

Unsere Klassenfahrt begann am 30.08.2026 um 2:00 Uhr morgens, einer Uhrzeit, zu der normale Menschen eigentlich schlafen. Einige mussten wegen der langen Anreise sogar noch früher aufstehen, während andere beschlossen hatten, den Schlaf einfach zu überspringen. Ob das eine gute Idee war, zeigte sich später im Bus. Unser Ziel war England, doch bis dahin mussten wir erst Deutschland gen Westen, die Niederlande, Belgien und Frankreich durchqueren, denn um 15:00 Uhr sollte unsere Fähre von Calais nach Dover ablegen. Und dass unsere Reise deutlich mehr als nur Englischunterricht zu bieten haben würde, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

In Kassel gab es einen Fahrerwechsel und wir lernten unsere Busfahrerin Petra kennen, die uns die ganze Woche begleiten sollte. Besonders blö.. war, dass kurz vor dem Fahrerwechsel fast alle eingeschlafen waren. Kaum waren wir am Rastplatz angekommen, hieß es also: aufwachen und aussteigen. Gegen 11:30 Uhr kamen wir in Calais an. Bevor wir auf die Fähre durften, begann allerdings der große Papierkrieg. Unzählige Zettel mussten ausgefüllt und kontrolliert werden. Vor allem Frau Kühn-Lumm hatte damit Einiges zu tun. Unter uns entstand schnell der Witz, dass sie wahrscheinlich einen ganzen Rucksack nur für den Papierkram dabeihatte – und das war auch so. Obwohl wir zuerst ganz vorne in der Schlange standen, waren wir am Ende trotzdem die Letzten, die auffahren durften. Zum Glück wurde während der Überfahrt niemand seekrank und schließlich tauchte Dover vor uns auf: Wir waren wirklich in England.

Von Dover aus fuhren wir weiter nach Worthing, wo wir gegen 19:00 Uhr unsere Gastfamilien kennenlernten. Nach dem Abendessen waren die meisten allerdings so müde, dass sie nur noch ins Bett wollten. Viel Zeit zum Ausschlafen blieb nicht, denn am nächsten Morgen ging es bereits um 8:00 Uhr nach Brighton.

Dort besuchten wir zunächst einen englischen Supermarkt, Sainsburys. Dabei zeigte sich schnell, dass Selbstbedienungskassen nicht unbedingt jedermanns Freund sind. Was eigentlich einfach sein sollte, wurde bei manchen zur technischen Herausforderung. Und auch die britischen Preise ließen uns staunen. Danach erkundeten wir Brighton, besuchten den Brighton Pier, die Einkaufsstraße „The Lanes“ und besichtigten den Royal Pavililon, einen außergewöhnlichen ehemaligen Königspalast mit viel Prunk. Anschließend stand noch Englischunterricht auf dem Programm, zumindest theoretisch.

In Worthing angekommen, wurde uns nämlich gesagt, dass unser Bus zu groß für die engen englischen Straßen sei und wir deshalb laufen müssten. Also liefen wir. Und liefen weiter. Schließlich standen ungefähr 40 Schüler in einer Wohnsiedlung. Die Bewohner waren vermutlich etwas überrascht, als plötzlich eine ganze Schülergruppe in ihrer Einfahrt stand bzw. die Lehrer schon fast die Küche erreicht hatten. Dann stellte sich heraus: falsche Adresse. Unser Reiseveranstalter hatte die Location verwechselt und uns zu einem Psychotherapeuten geschickt. Also hieß es wieder laufen, bis wir endlich den richtigen Ort für den Englischunterricht fanden. Im Ergebnis hätten wir uns das auch fast sparen können, die Gespräche in den Gastfamilien waren eigentlich wertvoller, wenn man sie auch nutzte…

Am dritten Tag ging es nach Eastbourne. Zuerst hatten wir etwas Freizeit, doch dann kam die überraschende Nachricht: Wir gehen wandern! Gesagt, getan. Wir liefen Richtung Beachy Head, einer beeindruckenden Kreideklippe an der Küste. Der Weg war zwar anstrengend, aber die Aussicht über das Meer und Eastbourne war die Mühe wert. Frau Kühn-Lumm konnte uns an diesem Tag leider nicht begleiten, doch gerade für sie war das wahrscheinlich besonders schade, da sie in ihrer Freizeit gerne wandert. Sie musste sich allerdings um eine Schülerin kümmern, die bereits in der Nacht zuvor einen „Ausflug“ in das nächstgelegene Krankenhaus unternommen hatte- Aufregung pur.

Am Mittwoch stand Hastings auf dem Programm. Die Stadt ist vor allem wegen der berühmten Schlacht von Hastings aus dem Jahr 1066 bekannt. Wir fuhren mit einer Seilbahn nach oben, besichtigten die Burgruinen und machten anschließend eine Rallye. Danach hatten wir viel Freizeit und wie das auf Klassenfahrten so ist, wurde diese natürlich genutzt, um Geld auszugeben. Ein Snack hier, ein Souvenir dort und schon war das Taschengeld deutlich weniger. Am Abend hieß es Koffer packen, denn unsere Zeit in England- zumindest bei den Gastfamilien- neigte sich langsam dem Ende zu.

Am Donnerstag folgte schließlich das große Highlight: London und das den ganzen Tag lang. Nach dem Abschied von unseren Gastfamilien fuhren wir mit Bus und U-Bahn in die Innenstadt. Nach etwa einer halben Stunde und genau acht Haltestellen kamen wir in Westminster an und standen direkt vor dem berühmten Big Ben. Von der Westminster Bridge aus konnten wir die historischen Gebäude, moderne Wolkenkratzer, die Themse und das London Eye bestaunen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen in Chinatown hatten wir ganze sieben Stunden Freizeit. London ist allerdings nicht gerade billig, weshalb unsere Geldbeutel ordentlich leiden mussten. Bei manchen sollen bis zu 400 Euro verschwunden sein. Wofür genau? Das bleibt wohl besser ein Geheimnis. Auch die exzessive Nutzung der mobilen Daten des Handys soll bei manch Einem zur Pleite geführt haben.

Am Abend ging es zurück Richtung Dover. Gegen Mitternacht stand die Fährüberfahrt nach Calais an. Eigentlich wollten wir die letzte gemeinsame Nacht noch lange wach bleiben, doch spätestens im Bus war davon nichts mehr zu merken. Nach den langen Busfahrten und sieben Stunden London (mit bis zu knapp 40 km Fußmarsch) waren fast alle sofort eingeschlafen. Gegen Mittag erreichten wir schließlich wieder Sondershausen.

Wenn wir später auf diese Klassenfahrt zurückblicken, werden wir uns wahrscheinlich nicht mehr an jedes Geschäft oder jede Mahlzeit erinnern. Dafür bleiben die vielen kleinen Geschichten: die viel zu frühe Abfahrt, die Fähre, der Papierkram, der zu große Bus, originale Fish and Chips und natürlich der Psychotherapeut statt des Englischunterrichts.

Und natürlich werden wir uns an Petra erinnern. Während der Fahrt sagte sie irgendwann: Wir sind in sieben Kilometern in Wirsing. Natürlich mussten sofort alle lachen. Petra versuchte noch, sich zu verbessern: Ich habe nicht Wirsing gesagt, ich habe Worsing gesagt!“ Damit war der Running-Gag geboren. Worthing hieß für uns ab diesem Moment einfach nur noch Wirsing. Wann immer wir in Richtung Worthing fuhren, dauerte es nicht lange, bis irgendjemand „Wirsing!“ rief und der ganze Bus wieder lachte.

Genau solche Momente machen eine Klassenfahrt aus. Nicht alles läuft nach Plan, aber gerade die kleinen Pannen und Insider sorgen dafür, dass man noch lange darüber lachen kann. Wir haben neue Orte kennengelernt, unser Englisch ausprobiert (welches scheinbar besser ist, als wir vermuteten, denn keiner ist bei seiner Gastfamilie verhungert), viel erlebt und vor allem gemeinsam gelacht.

Worthing mag offiziell Worthing heißen. Für uns wird es aber wahrscheinlich für immer Wirsing bleiben!!!

Marit Linse

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