Auf Entdeckungstour an der Kiesgrube

Klassenfahrten und Exkursionen

Am 3. September machte sich der Bio-Leistungskurs der 12. Klasse gemeinsam mit Frau Hoffmann auf den Weg zu einer Gewässerexkursion in die Kiesgrube in Sondershausen.

Treffpunkt war zunächst der Norma-Parkplatz, von dem aus die Gruppe gemeinsam zur Kiesgrube lief. Nachdem im Unterricht bereits die Ökologie von Gewässern und insbesondere Seen behandelt worden war, sollte das Gelernte nun direkt in der Natur angewendet werden. Statt nur theoretisch über Ökosysteme, Wasserqualität und Artenvielfalt zu sprechen, konnten die Schülerinnen und Schüler das Gewässer selbst untersuchen und seine ökologischen Besonderheiten kennenlernen.

Vor Ort ging es zunächst darum, das Exkursionsgebiet genauer zu erfassen. Neben den Witterungsverhältnissen wurde eine Übersichtsskizze des Gebietes angefertigt und die räumliche Struktur des Ökosystems betrachtet. Dabei wurde untersucht, welche unterschiedlichen Lebensräume vorhanden sind und welche Pflanzen- und Tierarten dort vorkommen. Unter anderem konnten verschiedene Vogelarten wie Blässhühner, Schwäne und ein Fischreiher beobachtet werden. Auch Insekten und andere Tiere wurden entdeckt.

Bei den Pflanzen fanden sich beispielsweise Luzerne, Gewöhnliche Wegwarte, Schilf, Schlehe, Raue Gänsedistel und Echtes Labkraut. Die Artenvielfalt machte dabei deutlich, dass die Kiesgrube trotz ihrer Entstehung durch menschliche Eingriffe inzwischen ein vielfältiger Lebensraum für zahlreiche Organismen geworden ist.

Ein besonderer Schwerpunkt der Exkursion lag auf der Untersuchung der Wasserqualität. Dafür wurden an drei verschiedenen Stellen Wasserproben entnommen und anschließend miteinander verglichen. Neben den sicht- und wahrnehmbaren Eigenschaften wie Trübung, Farbe und Geruch wurden auch verschiedene chemische Parameter bestimmt. Dazu gehörten unter anderem der pH-Wert sowie die Konzentrationen von Ammonium, Nitrat, Nitrit und Phosphat. Diese Werte geben Hinweise darauf, wie stark ein Gewässer beispielsweise durch Nährstoffeinträge belastet ist und ermöglichen eine Einschätzung seiner Wassergüte.

Zusätzlich wurden Schlammproben entnommen und untersucht. Dabei konnten mit bloßem Auge beziehungsweise unter geeigneter Vergrößerung kleine Lebewesen entdeckt werden. Solche Organismen können ebenfalls wichtige Hinweise auf die ökologischen Bedingungen eines Gewässers geben. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden anschließend ausgewertet und genutzt, um eine Schlussfolgerung hinsichtlich der Wassergüteklasse des Gewässers zu ziehen.

Auch die im und am Gewässer vorkommenden Lebewesen standen im Mittelpunkt der Exkursion. Die Schülerinnen und Schüler sollten eine möglichst große Anzahl an Tier- und Pflanzenarten erfassen und diese ihrem jeweiligen Lebensraum zuordnen. Darüber hinaus wurden Informationen über die im Gewässer vorkommenden Fischarten eingeholt. Dabei spielte auch der örtliche Anglerverein eine Rolle, der sich mit der Fischereibewirtschaftung und der Pflege des Gewässerbereichs beschäftigt.

Besonders deutlich wurde während der Exkursion der anthropogene Einfluss, also der Einfluss des Menschen auf das Ökosystem. Dabei konnten sowohl positive als auch negative Auswirkungen beobachtet werden. Positiv wirken beispielsweise die Pflege und Erhaltung des Gewässerbereichs sowie Maßnahmen des Gewässer- und Naturschutzes. Auch der zuständige Anglerverein trägt durch die Bewirtschaftung und Pflege des Bereichs dazu bei, den Lebensraum für verschiedene Pflanzen- und Tierarten zu erhalten.

Gleichzeitig waren aber auch zahlreiche negative menschliche Einflüsse sichtbar. An mehreren Stellen fanden sich Zigarettenstummel, Plastikverpackungen und Glasflaschen. Außerdem waren Rückstände einer Feuerstelle zu erkennen. Auch zurückgelassenes Brot am Ufer und im Wasser zeigte, dass das Verhalten von Menschen direkte Auswirkungen auf das Ökosystem haben kann. Durch das Füttern von Tieren können beispielsweise natürliche Nahrungsbeziehungen verändert und Gewässer zusätzlich mit Nährstoffen belastet werden.

Deutlich sichtbar waren außerdem Trampelpfade und Trittschäden, durch die die Vegetation am Ufer beeinträchtigt wird. Die Exkursion zeigte damit anschaulich, dass ein Ökosystem nicht unabhängig von seiner Umgebung betrachtet werden kann. Natürliche Faktoren wie Wasserqualität, Vegetation und Tierwelt stehen in einem komplexen Zusammenhang – gleichzeitig beeinflusst der Mensch diese Beziehungen durch seine Nutzung und seinen Umgang mit dem Lebensraum.

Obwohl die Untersuchungen und das Anfertigen des Protokolls im Vordergrund standen, kam auch das gemeinsame Erlebnis nicht zu kurz. Die Gruppe hatte viel Gelegenheit, sich auszutauschen und gemeinsam den Vormittag in der Natur zu verbringen. Für einige zusätzliche Unterhaltung sorgte unter anderem eine vorbeilaufende Bundeswehrgruppe, die am See sportlich unterwegs war.

Insgesamt war die Gewässerexkursion eine gelungene Ergänzung zum Biologieunterricht. Besonders interessant war es, die theoretisch behandelten Inhalte aus dem Bereich Ökologie praktisch anzuwenden und selbst Wasserproben, Pflanzen, Tiere und menschliche Einflüsse zu untersuchen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie stark menschliches Verhalten einen Lebensraum prägen kann – sowohl durch Maßnahmen zum Schutz und zur Pflege als auch durch Müll, Störungen und andere Belastungen. So konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur neues Wissen sammeln, sondern das Ökosystem Kiesgrube einmal aus einer ganz anderen, praktischeren Perspektive kennenlernen.

Leo & Finn

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