Unsere ehemalige Schülerin und Scholltimes-Chefredakteurin,, Kinza Mahmood, „zeigt“ auch weiterhin „Haltung!“ und kommentiert die Ereignisse am 27.01.2026 hier in Sondershausen:
Der Holocaust, eine staatlich organisierte Massenvernichtung von Menschenleben, kostete rund sechs Millionen Juden ihr Leben. Er raubte Kindern die Aussicht auf eine sichere und unbeschwerte Zukunft, zwang Jugendliche, viel zu früh Verantwortung zu übernehmen, und ließ Eltern in ständiger Ungewissheit zurück. Die Nationalsozialisten zielten nicht auf bloße Ausgrenzung, sondern auf die vollständige Verfolgung und Ermordung einer gesamten Bevölkerungsgruppe.
Umso treffender war Björn Höckes Bürgerdialog in Sondershausen am 27.01.2026 – dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Um dem Landesvorsitzenden der AfD keine Chance zu geben, den Holocaust zu leugnen und zu relativieren, organisierte die Linke Kyffhäuserkreis in Kooperation mit dem Bündnis OST Bündnis90/ Die Grünen am selben Tag eine Demonstration unter dem Motto „Kein Vergessen, kein Verleugnen!“.
Bereits wenige Minuten nach Beginn der Kundgebung versammelten sich ungefähr 100 Sondershäuser aller Generationen mit Plakaten, Fahnen und vor allem einer klaren Botschaft: Gebt Hass keinen Platz in unserer Gesellschaft. In diesem Zusammenhang wiesen die Organisatoren auf aktuelle Entwicklungen in den USA hin, wo Verfolgung und existenzielle Angst für viele Migranten seit dem Amtsantritt von Donald Trump zu einem festen Alltagsbestandteil im Land geworden sind. Die amerikanische Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) setzt Menschen, die in den USA Schutz suchen oder ohne gültige Papiere leben, durch ihre radikalen Maßnahmen unter Druck. Einige werden vor ihrer Abschiebung in Haftzentren festgehalten, welche von den Medien als menschenunwürdig beschrieben werden. Berichte und Interviews mit Betroffenen aller Altersgruppen zeigen Gefühle, die viele an düstere Kapitel der Geschichte erinnern, in der dieselben Sorgen den Alltag bestimmten.



Intoleranz zeigt sich jedoch nicht nur im Ausland, denn auch in unserem Heimatland werden rassistische Stimmen und Hass immer lauter. Laut diversen Studien, Umfragen und Berichten steigt die Anzahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland jeden Tag drastisch. So belegen Berichte des Bundesverbands RIAS e. V., dass Hassreden, Bedrohungen und Gewalt an Juden sich durchschnittlich 24 mal pro Tag im Jahr 2024 ereigneten (was einem Anstieg von rund 80% entspräche).
Die Ereignisse in den Vereinigten Staaten und in Deutschland machen deutlich: Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie Macht missbraucht wird, um uns als Gesellschaft zu spalten, denn auch der Holocaust ist kein fernes historisches Ereignis, sondern eine Mahnung mit unmittelbarer Bedeutung für unsere Gegenwart. Die systematische Ermordung Juden zeigt, wohin Ausgrenzung, Entmenschlichung und das Schweigen der Mehrheit führen können. Erinnerung darf deshalb nicht bei Gedenktagen enden. Sie verpflichtet dazu, wachsam zu bleiben, Rassismus in allen Formen klar zu benennen und entschieden entgegenzutreten – sie verpflichtet dazu, „Haltung zu zeigen!“.
An dieser Stelle bedanke ich mich bei all jenen, die am 27.01.2026 den Mut fassten, auf die Straßen zu gehen und zu demonstrieren. Insbesondere möchte ich mich bei Patrick Weihrauch und Jannes Block für ihr Engagement und die Organisation der Sondershäuser Kundgebung am 27.02.2026 bedanken. Wer Geschichte relativiert oder verdrängt, gefährdet nicht nur das Andenken an die Opfer, sondern auch die Grundwerte einer offenen und demokratischen Gesellschaft. Nie wieder ist jetzt!
Kinza Mahmood



