„Haltung zeigen!“ – Stolpersteine putzen zum Holocaust-Gedenktag

❗️Haltung zeigen ❗️ Gastbeiträge Politik & (Zeit)Geschichte

Am 27. Januar, dem Internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, engagierten sich die Schülerinnen und Schüler des 11er-eA-Geschichtskurses mit Herrn Wünsche sowie dem Bürgermeister, Steffen Grimm, Stefan Schard, dem Landtagsabgeordneten der CDU, Frau Dr. Carolin Schäfer vom Schlossmuseum, den Mitarbeitern der Stadtverwaltung und anderen freiwilligen Helfern beim Reinigen der Stolpersteine im Stadtgebiet.

Die Stolpersteine sind Teil eines europaweiten Erinnerungsprojekts. Sie wurden vor dem letzten frei gewählten Wohn- oder Arbeitsplatz der jeweiligen Person platziert und tragen die Namen und wichtige Lebensdaten der Betroffenen. Durch Witterungseinflüsse verlieren die Messingplatten ihren Glanz, deshalb werden sie regelmäßig von Freiwilligen gereinigt, um diese Geschichten der Einzelnen für andere sichtbar zu machen.

Allein im Stadtgebiet von Sondershausen lassen sich 33 Stolpersteine finden. Das entspricht 33 Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft vertrieben, verhaftet oder in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden.

Eine dieser Menschen war Irmgard Kaufmann. Ihr Stolperstein befindet sich gemeinsam mit denen ihrer Familie vor dem Gebäude der Bebrastraße 27. Irmgard war das jüngste Familienmitglied und wurde am 15.10.1922 in Sondershausen geboren. Sie war die Tochter von Max sowie Frieda Kaufmann und hatte auch zwei ältere Schwestern, die in die USA auswanderten. Im September 1938 traten die Eltern eine achtwöchige Reise zu ihren Kindern in die USA an und ließen dabei die damals sechzehnjährige Irmgard allein zu Hause. So war sie auch vom 9. auf den 10. November 1938 zur Pogromnacht völlig allein. Sie musste erleben, wie jüdische Männer verhaftet und deportiert wurden und die Synagoge in Sondershausen geschändet wurde. Als Max und Frieda Kaufmann von der Situation in Deutschland erfuhren, ließen sie sich vermutlich in Amsterdam nieder und versuchten ihre Tochter nachzuholen (dies ist jedoch nicht vollständig geklärt). Irmgard wurde dann am 18. Juni 1940 in Amsterdam registriert. Von 1942 an wurden die Familienmitglieder nacheinander in Kamp Westerbork interniert, was zu diesem Zeitpunkt ein „Judendurchgangslager“ war. Von diesem Lager aus fuhren regelmäßig Transporte in die Vernichtungslager wie beispielsweise Auschwitz-Birkenau. Irmgard selbst wurde am 9. März 1943 im Alter von 20 Jahren in Westerbork inhaftiert und wenige Tage später nach Sobibor deportiert, wo sie am 20. März 1943 ermordet wurde.

Das Schicksal von Irmgard Kaufmann stellt leider nur eines von Millionen dar, jedoch ist es wichtig, die Erinnerung an die einzelnen Opfer zu wahren, ihre Geschichte in Ehren zu halten und damit „Haltung zu zeigen!“. Durch die Stolpersteine werden diese einzelnen Geschichten im öffentlichen Raum greifbar und dienen auch als Mahnung an eine Zeit, die von Ausgrenzung und Ungleichheit geprägt war und dessen Wiederholung verhindert werden muss.

Wir danken der Stadtverwaltung, dem Schlossmuseum und dem Förderverein Schloss und Museum Sondershausen e.V. sowie dem Bürgermeister und allen Helfern für ihre Unterstützung an diesem Tag.

Elain Steinacker

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