Am 5. Februar 2026 besuchte der Kunstkurs der 11. Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums das Schlossmuseum Sondershausen. Dort nahmen wir an einer besonderen Kunstaktion der Künstlerin Sanja Zivo teil.
Zu Beginn stellte sich die Künstlerin vor und erzählte uns von ihrem Werdegang, ihren Themen und davon, was ihre Kunst ausmacht. Dabei wurde schnell deutlich, dass es in ihren Arbeiten viel um Wahrnehmung, Entscheidungen und persönliche Bedeutungen geht. Gleichzeitig merkten wir aber auch schnell, dass sie eine sehr eigene, kreative Art hat, Dinge zu erklären, manche würden vielleicht sogar sagen, sie sei ein kleines bisschen verrückt (im besten Sinne). Das sorgte immer wieder für Lacher in der Gruppe.
Anschließend zeigte sie uns die Leinwand, mit der wir arbeiten sollten: eine runde Fläche, die auf einer Seite rot und auf der anderen weiß war. Uns wurden ein roter und ein weißer Wachsmalstift zur Verfügung gestellt.
Die Künstlerin erklärte die Aufgabe mit so viel Energie und Begeisterung, dass wir uns teilweise fragten, was wohl als Nächstes kommen würde.
Danach durften wir nacheinander Dinge auf die Leinwand zeichnen, die uns aktuell beschäftigen oder eine besondere Bedeutung für uns haben. Anfangs waren viele von uns noch zögerlich. Es war ungewohnt, etwas sehr Persönliches vor der ganzen Gruppe sichtbar zu machen. Doch nach und nach wurden wir mutiger. Als wir die beiden Seiten der Leinwand betrachten und auch „fühlen“ konnten, kamen wir ins Gespräch und erklärten jeweils, was wir gezeichnet hatten und warum uns dieses Thema gerade bewegt.



Zwischendurch machte die Künstlerin immer wieder kleine, unerwartete Kommentare oder stellte ungewöhnliche Fragen, die uns zum Nachdenken und manchmal auch zum Schmunzeln brachten.
Anschließend sollten wir erklären, warum wir uns für eine bestimmte Seite der Leinwand rot oder weiß entschieden hatten und weshalb wir genau diese Farbe des Wachsmalstifts gewählt haben. Die Künstlerin ordnete unseren Gedanken interessante Deutungen zu und zeigte uns, welche unterschiedlichen Bedeutungen Farben tragen können, zum Beispiel Leidenschaft oder Leere, Wut oder Neutralität. Dabei hatte sie manchmal sehr überraschende Interpretationen, bei denen wir uns kurz fragten, ob sie unsere Zeichnungen vielleicht ganz anders sieht als wir selbst.



Danach folgte eine überraschende Aufgabe: Wir sollten erneut nacheinander einen Strich auf die Leinwand setzen ohne lange nachzudenken, einfach aus dem Gefühl heraus. Dabei entstanden viele unterschiedliche, spannende Linien. Einige waren jedoch irritiert oder sogar verärgert, als sie hörten, dass wir teilweise über bereits bestehende Zeichnungen malen sollten. Viele hatten Angst, das „große Ganze“ kaputt zu machen. Die Künstlerin schien dabei jedoch großen Spaß daran zu haben, unsere überraschten Gesichter zu beobachten.
Doch genau darin lag ein wichtiger Teil der Aktion: Vertrauen in den Prozess. Als wir das fertige Kunstwerk am Ende betrachteten, waren wir überrascht. Aus vielen einzelnen Beiträgen war ein gemeinsames Werk entstanden, das harmonisch und ästhetisch wirkte. Jeder einzelne Strich, jede Zeichnung war Teil eines größeren Ganzen geworden.


Besonders stolz sind wir darauf, dass unser gemeinsames Kunstwerk inzwischen im Thüringer Landtag ausgestellt ist. Dadurch wurde diese Erfahrung für uns noch bedeutender.
Insgesamt war es eine spannende und bereichernde Erfahrung. Wir haben nicht nur etwas über Kunst gelernt, sondern auch über Mut, Entscheidungen und Gemeinschaft. Aus vielen individuellen Ideen entstand etwas Verbindendes – ein Kunstwerk unseres gesamten Kurses.
Leo Westermeyer
