Die Seminarfacharbeit – eine Facharbeit, um zu lernen, wie man eine Facharbeit schreibt. So zumindest lautet die Theorie. „Kann doch nicht so schwer sein!“, denkt sich so mancher Zehntklässler, wenn das Unterrichtsfach plötzlich im Stundenplan auftaucht. „Kann doch nicht so schwer sein!“ – das war auch mein Gedanke, als ich das erste Mal davon hörte. „Man lernt ja alles, was man dafür braucht in der 10.“ – Was für ein Irrtum!“ Kurz nach Ostern, die BLF-Prüfungen stehen an, heißt es: „So, meine Lieben, jetzt setzen wir uns mit der anderen Klasse zusammen und sprechen ein bisschen über die Seminarfacharbeit. Habt ihr euch denn schon ein Thema überlegt und Gruppen gebildet?“ Tja, bei uns hatte das noch niemand getan. In der Parallelklasse waren es drei, die eine Idee hatten. Nach fünf Stunden ohne richtigen Plan hatten wir immerhin Gruppen gebildet und mehrere Ideen für Themen zusammengetragen. Und dann sollten wir direkt das Exposé schreiben, damit unsere Arbeit genehmigt werden kann. Die meisten hatten weder einen Fachbetreuer, geschweige denn einen Außenbetreuer gefunden, der sie unterstützen würde. Einzelne hatten noch nicht mal eine Gruppe. Irgendwie schafften wir es dennoch, Außenbetreuer und Fachbetreuer zu organisieren und ein Exposé fertigzustellen, das den Inhalt und das Ziel unserer Seminarfacharbeit zusammenfassend darstellen und die Schulleitung dazu bewegen sollte, uns die Arbeit zu genehmigen.
Nachdem jede Arbeit genehmigt worden war, ging es an ein Jahr voller Arbeit, fehlender Kommunikation zwischen Lehrern, Schülern, Lehrern und Schülern und generell einer Menge Verwirrung. Alles lief irgendwie nach dem Motto: „Ihr wisst ja, was ihr zu tun habt. Ach nein? Okay, dann macht es trotzdem.“ Irgendwie schlugen sich die verschiedenen Gruppen durch die Zeit der Konsultationen. Alle vier Wochen wurde das, was man in der letzten Zeit geschafft hatte, in eine Präsentation gebracht und mal mehr und mal weniger ausführlich den Seminarfachlehrern in der Hoffnung präsentiert, doch noch eine halbwegs gute Note abzustauben.
So zog die Zeit ins Land und ehe man sich versah, waren schon die Sommerferien vor der zwölften Klasse vorbei. Nun wurde es ernst. Wer bisher noch nicht gearbeitet hatte, der kam jetzt ordentlich in die Bredouille, mit der verbleibenden Zeit bis zur Abgabe zurechtzukommen. Unter Beschwerden und Verwünschungen zogen August und September vorbei und die Oktoberferien, die Zielgerade der Verschriftlichung, rückten immer näher. Ferien? Die gab es für einige von uns nicht. Für die, die sich – freiwillig und unfreiwillig – mit der Endformatierung der Arbeit auseinandersetzten, bedeuteten die Ferien eine Zeit voller Kopfschmerzen, Frust auf die Gruppenmitglieder und so manch´ eine durchgearbeitete Nacht.

Am 20.10.2025 fiel vielen dann ein Stein vom Herzen: Die gedruckten Arbeiten sollten abgegeben werden. Danach wurde erst einmal entspannt, wobei man mit den ganzen anstehenden Klausuren auch nicht faul werden durfte. Doch wie das leider immer so ist: Hat man die eine Aufgabe erledigt, warten schon die nächsten fünf auf einen. Gut, in unserem Fall waren es viele kleine, um eine große Ganze zu lösen: das Kolloquium. Dieses mystische Wort, das zu Beginn jedes neuen Jahres die Zwölfer heimsucht und für jede Menge Kopfschmerzen, aber auch manchmal unbegründeten Stress sorgt. Doch noch hatten wir November und die erste wichtige Aufgabe war das Thesenpapier. Naja, oder zumindest ein erster Entwurf, der nach den Anweisungen, die wir in einer Unterrichtsstunde erhielten, gründlich überarbeitet werden musste.
Und so rückten die Weihnachtsferien immer näher und mit ihnen auch der Jahreswechsel, der die letzten zehn Tage vor der ersten Abiturprüfung markierte. Für unsere heldenhaften Gruppen bedeutete dies eine Zeit, in der fast tägliche Treffen und Konferenzen organisiert wurden, um die Thesenpapiere und die letzten Vorbereitungen für die Kolloquien zu treffen (oder überhaupt erst mal damit anzufangen). Am 12.1.2026 war es dann soweit. Die zu Beginn noch recht gut gelaunten, aber doch etwas aufgeregten Gruppenmitglieder fanden sich zu ihren festgelegten Terminen vor dem Prüfungskomitee und einem kleinen Publikum ein und präsentierten mal mehr und mal weniger erfolgreich die Ergebnisse ihrer Seminarfacharbeit. Nachdem die Noten bekannt wurden: Erleichterung, dass es endlich vorbei war, Ärger oder Freude über die eigene Note und sogar eine Arbeit, die im Kamin als Brennstoff diente.
Doch was ist jetzt das Fazit aus eineinhalb Jahren voller Ärger, blank liegenden Nerven, halbwegs kontrolliertem Chaos und dem ständigen Druck dieses Ungetüms von Papier, Recherchen und Gruppenunstimmigkeiten im Nacken? Naja, zumindest so viel, dass man es sehr viel besser hätte angehen können. Nicht nur aus Gruppen-Sicht, sondern vor allem in der Vorbereitung auf das, was uns erwarten würde. Was es uns gebracht hat? Einen weiteren von vielen Stressfaktoren in der Oberstufe, aber auch Erfahrungen und sogar Freundschaften, die man so schnell nicht vergessen wird. Unsere Vorbereitung auf die Anforderungen war mies, vor allem in der 10. Klasse, und unsere Gruppen funktionierten nicht immer so, wie wir es gerne gehabt hätten. Es war ein Auf und Ab von Gefühlen mit dem ständigen Gedanken an den Tag, an dem es endlich vorbei sein würde. Und irgendwie haben wir es doch geschafft. Ich denke, da dürfen wir uns ein bisschen auf die Schulter klopfen.
Meine Glückwünsche an alle, die diese Zeit überstanden haben und denen viel Glück, die sie noch vor sich haben.
Euer Cedric
